
Faszination reisen
Ich muss zugeben das reisen faszinierte mich schon von klein auf. Ob es Lukas der Lokomotivführer war oder später die Erzählungen von Freunden. Oder eben irgendwann meine eigenen Reisen.
Auch den Einfluss den Instagram auf meinen reisewunsch hat darf ich dabei nicht außen vor lassen. All die schönen Orte. Die Sonnenuntergänge und das türkise Meer. Unbegrenzte Freiheit. Wie schön muss es sein an all diesen Orten zu sein? So machte ich mich auf den Weg. Erst nach Asien und dann ? Spontan weiter nach Neuseeland. Dort angekommen war mein Budget fast runter auf Null. Doch Geschenkt wird einen leider nix. So habe ich zugesehen das ich meinen ersten Job finde. Wer denkt daran? Jobfotos auf Instagram?
Reisen kann echt anstrengend sein. Ein paarmal bekomme ich bin andern Backpackern zu hören:“ Hast du es gut – du verdienst dein Geld im weiter zu reisen. Du musst da on nicht den Alltag bestreiten.“ Ist das so? Oder ist nicht gerade das reisen mein Alltag? Mein erster Job war hart und ich hatte eine Chefin die uns den ganzen Tag anschrie und zur härteren Arbeit drängte. Augen zu und Durch. Was anderes blieb mir nicht übrig. Ich brauchte das Geld.
Priviligierte Position
Mittlerweile bin ich in Auckland und arbeite hier nun schon fast 3 Monate als Traffic Controller. Die Arbeit als Traffic Controller ist nicht besonders anstrengend. Man steht an einer Ampel und sagt den Leuten das sie bitte den Radweg frei halten und auf den Fußweg warten bis die Ampel grün wird. Das oder andere Tätigkeiten. Die größte Herausforderung ist es 13 Stunden auf den Beinen zu sein. Irgendwann war mir das zu viel und ich habe mich nach einen anderen Job umgeschaut. „Mensch kannst du nicht mal einen Job durchziehen?“ – kam da prompt von Isabel. „Ja ich könnte,“entgegnete ich,“ich muss aber nicht!“ Krass wie du da deine privilegiert Situation nutzt, – war das Komentar von Isa.
Ich habe da lange drüber nachgedacht. Ja manche Menschen sehen mich in dieser Schublade: weißer Mann, Deutsch, guter familiärer Background etc. Das ich aber genauso hart für mein Essen und mein Leben arbeite geht dabei unter. Ich kann nix dafür das ich die oben genannten Attribute habe und fühle mich ungerecht behandelt wenn man mir eine privilegierte Situation vorwirft. Ich für meinen Teil versuche jeden Menschen mit Respekt zu behandeln und jedem die gleichen Chancen zu geben. Wenn also ein Arbeiter vom Traffic Controller zu ner andern Arbeit wechseln will sollte er dieselbe Chance haben die ich selbst habe.

Flucht vor dem Alltag
Ich selbst denke nicht das ich derzeit vor etwas weglaufe. Im Gegenteil ich vermisse meinen Freundeskreis. Ich vermisse die spontanen Verabredungen zum Café und Smalltalk. ☕️ Ich vermisse meine Brüder Eltern und Großeltern. ( Das wird Weihnachten bestimmt noch schwer)
Leider kann man nicht alles Haben.
Ich habe es mir ausgesucht zu reisen und ich tue dies mit Leidenschaft. Ich will neue Menschen kennen lernen, neue Arten des Lebens entdecken und die Natur bewundern. Und dies, ja so ist es, ist gerade mein Alltag und ich bin glücklich ihn so zu gestalten.
